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Die Kunst ist keine getreue Darstellung der Natur, was ohnehin unmöglich zu erreichen wäre, sondern vielmehr deren Auslegung. Dabei ist natürlich das Empfindungsvermögen des Schaffenden, seine Auffassung vom Wesenlosen und Unsichtbaren ausschlaggebend. So nimmt es nicht wunder, dass die Kunst von Gabun von den westlichen Sachverständigen schon zu Anfang des 20. Jahrhunderts als eine der authentischsten Afrikas erkannt wurde, obwohl es diesem Kontinent nicht daran mangelt. Eine Erklärung dafür bietet die Tatsache. dass dieses Volk in ständiger Verbindung mit den geheimen Kräften steht und die Fähigkeit besitzt, die übernatürlichen Wesen, die auf mannigfaltigste Weise Gestalt annehmen, zu sehen. Der Kunstbegriff ist ihm jedoch vollkommen fremd. Tradtitionsgemäss ist es ihm weder um die Schönheit noch die Hochachtung für den Künstler zu tun. Es bringt ganz einfach eine Sprache hervor, die es ihm ermöglicht, mit Hilfe aller Ausdrucksmittel, sei es Musik, Tanz oder den bildenden Künsten, mit dem Weltall zu kommunizieren. Der afrikanische Animist ist sozusagen ein Künstler wider Willen. Im allgemeinen bemüht er sich, ein genau entsprechendes Werkzeug zu schaffen, mit dem er wirksam gegen die zerstörenden und entzweienden Kräfte des Universums angehen kann. Besitzt es ausser diesen Eigenschaften auch noch ästhetischen Wert, so misst ihm sein Schöpfer keinerlei Bedeutung zu. Aus diesem Grund trennten sich die Einheimischen lange Zeit hindurch ohne weiteres von ihren kostbarsten Gegenständen, wie Masken und Statuen. Da die fortschreitende Bekehrung zum Christentum nach und nach die religiösen Riten, zu denen diese Gegenstände dienten, verdrängt hatte, legten sie sie einfach beiseite. So haben sie wahre Meisterwerke aus ihrem Besitz gegeben, weil sie für sie unnütz geworden waren. Auch bestand kein Anlass mehr, neue zu schaffen. Auf kultureller Ebene bedeutet das natürlich ein nicht wieder gutzumachender Verlust, dessen sich die neue Generation glücklicherweise zutiefst bewusst geworden ist. Landesweit setzt man alles daran, eine genaue Bestandsaufnahme dessen vorzunehmen, was noch erhalten und zu den täglichen Riten nötig ist. Auf diese Weise lebt die Tradition der Bildhauerei bei den Mitsoghos in dem Masse fort, wie die bedeutende religiöse Bwiti-Sekte, die zahlreiche Kulturgegenstände benutzt, ihre Stellung behauptet.
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